Vom hässlichem Obst bis zum Kartoffelkombinat – Ein Abend mit Valentin Thurn

Über das Thema Lebensmittelverschwendung in Deutschland habe ich ja bereits einmal geschrieben und da es mich nicht loslässt, wie viele noch geniessbare Lebensmittel im Müll verschwinden, bleibe ich dran und versuche umsetzbare Lösungen und einfache Tipps für euch zusammenzustellen.

Zu meiner großen Freude hatte ich nun das Glück, mir einen Vortrag vom Filmemacher Valentin Thurn („Taste the Waste„) anhören zu können.
Er war zu Gast auf der grünen Bühne von Green City und gestaltete zusammen mit Foodsharing einen Abend für alle Interessierten.

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Bei einem ganz entspannten Vortrag im Freien erhielt man spannende Einblicke in das Leben des Filmemachers und seinen Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung.

Er präsentierte jede Menge einfache Lösungen gegen die Verschwendung, wie z.B.:
* Teilen auf Foodsharing.de oder einen Fair Teiler besuchen (Räume, Kühlschränke etc. bei denen man Essen abgeben und abholen kann)
* nur so viel Einkaufen, wie man wirklich essen kann (dafür lieber hochwertigere Lebensmittel, die einem Freude machen)
* selbst anpflanzen und mit anderen teilen (z.B. über Gemeinschaftsbeete)
* usw.

Außerdem versorgte er die Zuhörer mit tollen neuen Impulsen. Da ich selbst so begeistert war, kann ich euch diese natürlich nicht vorenthalten:

  • Sein zweiter großer Erfolg nach dem Film Taste the Waste ist die Doku Die Essensretter, ein wirklich sehenswerter Film, der zeigt, wie verschiedenste Leute Initiative zeigen und auf ganz unterschiedlichen Wegen gegen die Lebensmittelverschwendung kämpfen.
  • Ugly Fruits München: 2 Studenten haben in ihrer Diplomarbeit ein Konzept für einen Laden entwickelt, der „unschöne“ Früchte (wie z.B. die Orange mit der Nase) salonfähig machen soll. Ein Interview der beiden findet ihr z.B. hier.
    Ähnliche Ideen:
    * In Berlin hat ein Ladencafé „Culinary Misfits“ geöffnet, das ganz auf das „hässliche“ Obst-und Gemüse setzt.
    * Die Supermarktkette „Intermarché“ in Frankreich verkauft die Misfits bereits und steigert dadurch sogar den Umsatz. Schaut selbst!
  • In Belgien dürfen Supermärkte kein Essen mehr wegschmeißen: Egal, ob sie es günstiger verkaufen oder verschenken/spenden, die belgische Regierung versucht der Verschwendung durch dieses Gesetz Einhalt zu gebieten. Einen Artikel hierzu findet ihr z.B. hier
  • Wahrscheinlich kennt ihr sie alle, an mir ist sie bisher leider gänzlich vorbeigegangen:taste_the_waste7_sept14_jasmin_mena_klein
    Die Kampagne Zu gut für die Tonne von Ilse Aigner (Bundesverbraucherministerin). Leider bisher noch einer der wenigen Schritte der Regierung gegen den Verschwendungswahnsinn, aber immerhin ein Anfang.
  • Herr Thurn berichtete außerdem, dass die Lebensmittelindustrie in England sich auf freiwilliger Basis darauf geeinigt hat, die Lebensmittelabfälle um 5% zu reduzieren. Das klingt nicht viel, ist aber ein Anfang und vor allem ein wegweisendes Zeichen für andere Industrienationen oder?
  • Das Kartoffelkombinat ist eine Genossenschaft im Raum München, die solidarische Landwirtschaft betreibt, d.h. man bestellt nicht einfach bei einem Bauern Obst und Gemüse, sondern beteiligt sich als Mitglied an den Gesamtkosten für die Produktion und die Ernte wird dann unter allen Mitgliedern zu gleichen Teilen aufgeteilt. So isst man saisonal, kann mitbestimmen, wie das Obst und Gemüse aufgezogen wird (ohne Pestizide etc.) und unterstützt die regionale Produktion. Eine tolle Idee!
  • Und wie uns Herr Thurn dann noch verriet, wird seine nächste Dokumentation, die voraussichtlich nächstes Jahr erscheint, „10 Milliarden“ heißen. In 2050 werden wir zwischen 9 und 10 Milliarden Menschen sein und er stellt sich die Frage, ob wir wirklich mehr Nahrungsmittel produzieren müssen um alle Menschen zu versorgen oder ob wir nur an der Eingrenzung der Verschwendung arbeiten müssen.
    Eine wirklich interessante Frage. Ich freue mich schon, welche Antworten er auf seiner Reise finden konnte.taste_the_waste2_sept14_jasmin_mena_klein

Im Anschluss an den Vortrag durfte man sich den Bauch vollschlagen – mit lauter Lebensmitteln, die Foodsharing aus den umliegenden Supermärkten vor dem Wegwerfen gerettet hat und frisch zubereitete. Und da danach noch immer ein Berg von Lebensmitteln übrig war, konnte sich jeder noch etwas für den Nach-Hause-Weg oder den nächsten Tag einpacken. Ich habe mich für den riesigen Leib Brot entschieden, an dem ich sicher noch die nächsten Wochen essen werde (schmeckt übrigens wahnsinnig lecker!).

Brot klein

 

 

Es war ein wirklich toller und interessanter Abend!  Ihr wart auch auf einem tollen Vortrag, der euch inspiriert hat? Oder ihr habt weitere Ideen, wie sich Lebensmittelabfälle vermeiden lassen? Ihr kennt ein tolles Restaurant oder einen Laden, der nach diesen Prinzipien arbeitet? Ich freue mich auf viele Anregungen von euch!

 

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2 Gedanken zu “Vom hässlichem Obst bis zum Kartoffelkombinat – Ein Abend mit Valentin Thurn

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