Chile vs. Peru – Nachhaltigkeitscheck / Sustainability check

(For the english version please click here)

Ja Urlaub machen ist eine schöne Sache. Aber muss man im Urlaub all seine guten „grünen“ Grundsätze über Board werfen oder ist es möglich nachhaltig zu verreisen? Und was bedeutet nachhaltig reisen überhaupt?

Ich habe für nachhaltigen Tourismus folgende Definition gefunden: „Zurückhaltende Nutzung der Ressourcen, eine minimale Belastung der Ökosysteme und die Erhaltung von indigener Kultur und Traditionen sowie die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung“.
Nachhaltiges Reisen fängt demnach schon bei der unvermeidbaren Flugreise an (CO2-Ausgleich ist hier das Stichwort).
Ich habe einen Monat lang Peru und Chile bereist und versucht auf den Aspekt Nachhaltigkeit zu achten. Doch wo lässt es sich einfacher nachhaltig reisen? Hier meine persönlichen Erfahrungen:

Tourismus
(Peru): Peru hat ein Konzept für nachhaltigen Tourismus und so fanden sich in meinem kleinen Marco Polo-Reiseführer schon ein paar Tipps mit nachhaltigen Anlaufstellen in Peru, wie z.B. Biohotels, soziale Hotelprojekte, Veranstalter von nachhaltigen Touren und nachhaltige Sehenswürdigkeiten wie das Choco Museum in Cusco. chocomuseum2Ja das Choco Museum, davon muss ich kurz berichten, denn ich war schwer begeistert.chocomuseum
Ein kleines aber feines Museum mit sehr netten Mitarbeitern, die einen direkt zu einer kostenlosen Führung durchs Museum einladen und den Herstellungsprozess von Schokolade erklären. Peru ist der zweitbegehrteste Exporteur von Kakao, da dieser komplett organisch, also ohne chemische Düngemittel o.ä. angebaut wird. Im Anschluss an den Rundgang kann man verschiedene Produkte (mein Favorit: Schokoladen-Tee) probieren und im angeschlossenen Restaurant Schoko-Brownie essen und heiße Maya-Schokolade trinken.
(Chile): In Chile merkt man dann sehr deutlich den Unterschied zu Peru, denn dort gibt es noch kaum Anzeichen für die Förderung eines nachhaltigen Tourismus und so finden sich im Reiseführer leider kaum brauchbare Tipps zu Biohotels, Touren o.ä. Recherchiert man etwas tiefer so finden sich einige initiierte Projekte (Touren, Leben mit den Einheimischen etc.) die allerdings auch in der einheimischen Bevölkerung noch weitgehend unbekannt sind.

Reisen
Große Strecken lassen sich sowohl in in Peru als auch in Chile sehr gut mit Bussen bewältigen (so kann man zumindest die Flugreisen reduzieren). In Peru gibt es für Ausländer und Einheimische unterschiedliche Reisepreise. Dies soll die Peruaner dazu animieren mehr Urlaub im eigenen Land zu machen und so den einheimischen Tourismus stärken. Eine schöne Sache!
Leider gibt es (mit wenigen Ausnahmen) weder in Peru noch in Chile gut ausgebaute „grüne“ öffentliche Verkehrsmittel in den Städten und so tummeln sich neben den normalen Privatautos auch Unmengen an sogenannten „Colectivos“ (Taxen, die den ganzen Tag lang ununterbrochen die gleiche Route fahren). Sie sind sehr praktisch, aber leider auch nicht gerade umweltfreundlich. Die vorhandenen Busse sind oft überlastet, ein kleiner Teufelskreis. Radwege habe ich in sehr wenigen Städten entdeckt (und wenn, dann oft nur für kurze Strecken). Und wer einfach auf der Straße mit dem Rad unterwegs ist, ist (vor allem in Peru) lebensmüde, denn der Fahrstil der Südamerikaner ist für uns Deutsche, nunja, gewöhnungsbedüftig.

Mülltrennungmachupicchugarbage
(Peru): In Peru gibt es, zwar nicht überall, aber doch in einigen Städten (vor allem rund um den Machu Picchu) Mülltrennung. Inwiefern diese funktioniert kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen, aber es gibt doch klare Anzeichen, dass sich Peru für den Umweltschutz stark macht. Dies zeigt sich z.B. auch auf der Machu Picchu-Reise, wo die Touristen an vielen Stellen auf den Umweltschutz hingewiesen werden.incarailmachupicchulawnmower
(Dass es auf dem Machu Picchu auch nur natürliche Rasenmäher gibt, sei an dieser Stelle nur nebenbei erwähnt 🙂 ).

 

 

 

beach
In Chile habe ich keine sichtbare Mülltrennung entdeckt, lediglich in Pucon hat man mir gesagt, dass es dort Sammelstellen mit Mülltrennung gibt, zu denen man seinen Müll bringen kann. Leider findet sich vor allem an den Stränden viel Müll, der ins offene Meer gespült wird.

 

 

 

Plastiktüten

supermarketsAlle, die gegen den Plastiktüten-Wahnsinn kämpfen, wird sowohl in Chile als auch in Peru der Schlag treffen, wenn sie im Supermarkt einkaufen gehen, denn dort werden einem die Tüten förmlich nachgeworfen. Ich habe einen Monat lang jeder Einpackhilfe meine tragbare Einkaufstasche unter die Nase gehalten und wurde meist verdutzt angeschaut. Aber am Ende habe ich gesiegt und bin mit vollgeladener Tragetasche aus dem Supermarkt gestiefelt.
Auch auf den Obst-/Gemüsemärkten war es ein schier aussichtsloser Kampf und oft lies sich den Marktdamen nicht verständlich machen, dass man die Orangen auch ohne Tüte in seinen Rucksack einpacken kann.
Einen Ort der Entspannung habe ich dann aber doch gefunden und zwar in Chile, genauer gesagt in der etwas südlicher gelegenenen Stadt Pucon, die als Anziehungsmagnet für Touristen gilt, denn dort gab es Anfang des Jahres eine kleine Revolution. Pucon hat die Plastiktüten aus den Supermärkten verbannt. Eine große Welle der Entrüstung ging zunächst durch die Bevölkerung. Die Leute haben sich dann aber schnell mit der Situation arrangiert und bringen nun ihre Tragetaschen mit. Für spontane Einkäufer gibt es an den Kassen Jutetaschen oder das freundliche Personal packt die Sachen in ausrangierte Kartonboxen.

Re-und Upcyclingplastictrees
Was ich in beiden Ländern sehr schön finde, ist, dass das Handwerk noch einen hohen Stellenwert hat und so kann man in beiden Ländern vielerorts „Artesanías“, also Selbstgemachtes von den Einheimischen kaufen. Für die Herstellung werden meist heimische Materialien (Holz, Wolle, Bast etc.) verwendet und die Sachen sind wirklich sehr schön.
Auch die Kreativität bei der Nutzung von vorhandenen Materialien kennt in beiden Ländern keine Grenzen und so habe ich neben einigen Weihnachtsbäumen aus gebrauchten PET-Flaschen (auf die es dort kein Pfand gibt), auch Uhren aus alten Pfannen, Panzer aus Weinkorken und vieles mehr entdeckt. Besonders schön fand ich auch die floralen Lampen aus PET-Flaschen in einem Biorestaurant (Greens Organic) in Cusco.greeingcusco1_jasmin_mOrganische / Bio-Lebensmittel
(Peru): Sehr empfehlenswert ist das eben schon erwähnte Biorestaurant (Greens Organic) in Cusco, denn dort werden alle Gerichte mit selbstangebauten Biozutaten gekocht, Säfte frisch gepresst und neben einem tollen und ruhigen Ambiente schmeckt einfach alles herrlich.
Ansonsten lohnt es sich auf einem der großen Märkte einkaufen zu gehen, denn die Farbvielfalt der Früchte lässt einen staunen. Nicht alle Lebensmittel sind dort „Bio“, aber sie kommen aus der Region und schmecken einfach herrlich, während das Obst und Gemüse im Supermarkt eher enttäuschende Qualität hatte (in beiden Ländern). Einen Hinweis im Supermarkt auf organische Bananen und Aloe Vera habe ich entdeckt, sonst gibt es allerdings kaum Bioprodukte (also kein Hype wie in Deutschland).

 

 

Mein Resümée:organicsupermarket
Peru ist Chile im Moment einen grünen Schritt voraus, denn Peru thematisiert das Thema Nachhaltigkeit und macht es an vielen Stellen sichtbar. In all meinen Gesprächen mit Chilenen habe ich aber auch eine Bereitschaft für eine Veränderung entdeckt und vor allem die jungen Chilenen sind begeisterungsfähig für das Thema Nachhaltigkeit. Ich bin sehr gespannt wie sich die beiden Länder in den nächsten Jahren weiter entwickeln und welche grünen Schritte sie gehen werden.

Welche grünen Erfahrungen habt ihr auf euren Reisen gemacht? Welche Länder findet ihr besonders nachhaltig, auf welche Schwierigkeiten seid ihr gestoßen und wie habt ihr sie versucht zu lösen?

Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare, Anregungen und Ideen!

 


Chile vs. Peru

Vacations are awesome. But do you need to leave all your environmental responsibility at home when you go on vacation or is it possible to travel sustainably? And what does „sustainable travelling“ mean?
I found the following definition for sustainable tourism:
„Restrained use of the ressources, a minimal strain on ecosystems and the preservation of the indigenous culture and traditions as well as the involvement of the population“.
According to this, sustainable travelling starts with the unavoidable plane trip (CO2 compensation).
I have travelled one month in Peru and Chile and I tried to consider sustainable aspects. But in which of the two countries is it easier to travel sustainably? Those were my experiences:

Tourism
(Peru): Peru has a concept for sustainable tourism and therefore I could find some tips in my travel guide (eco-hotels, social hotel projects, organizers of sustainable trips and sustainable sightseeing (as for example the Choco Museum in Cusco). I need to give you a short report on the Choco Museum as I was really thrilled by it.chocomuseum3
It is a tiny museum with friendly employees who welcome you at the entrance door and invite you to a tour through the museum where they explain you the manufacturing process of chocolate.
You learn that the Peruvian cacao is one of the most wanted in the world as the cacao is produced organically (that means without chemical fertilizers). After the tour you can try different cacao products (my favourite: cacao tea) or have a tasty chocolate brownie with a hot chocolate in the cosy museum-restaurant.
(Chile): Compared to Peru you really feel a difference once you arrived in Chile as you can hardly find signs for a sustainable tourism. If you research a bit more you can find some initiated projects (tours, social projects like living with indigenous people…) but even in Chile the projects are not very known yet.

Travelling
Long distances can be travelled really well with busses in both countries (in this way you can at least avoid plane trips).
In Peru there is a cheaper price for Peruvian travellers in order to strengthen the domestic tourism which is a good thing.
Unfortunately there is not too much „green public transportation“ in neither of the two countries and for that reason you can find a lot of the so called „colectivos“ on the streets. The collectivos are taxis that have a fixed route which they drive continuously all day. Super practical but unfortunately not really environmentally-friendly. The existing busses are often overloaded and I could find only a few cycle pathes in Chile and Peru. People with a death wish can try to ride their bike on the streets but for Germans the driving style of the South Americans (especially the Peruvians) is something that- well let’s say – you need to get used to.

 

Garbage separationOllanta
(Peru): In Peru there is a garbage separation. I haven’t seen it everywhere in Peru but especially in the area around the Machu Picchu you can find it. I cannot evaluate if the system is really working but the garbage separation is one more sign that Peru cares about the environmental protection. Furthermore especially on the trip to the Machu Picchu you can find various information for tourists about the environment protection as you can see below.

machupicchumachupicchulawnmower

(Besides I want to mention that on the Machu Picchu of course work with a natural and eco-.friendly lawnmower 🙂 ).

 

 

In Chile I couldn’t find a garbage separation but in Pucon people told me that the city created collection points where people can drop and separate their garbage, Unfortunately you can find a lot of plactic waste and garbage that eventually lands in the ocean.beach

Plastic bags

supermarketsAll the people that fight against the overuse of plastic bags will suffer a heart attack when they enter the cash area of the chilean or peruvian supermarkets as the friendly employees pack your purchases in millions of them.
I spent one month trying to be fast enough to hold them my re-usable shopping bag under their noses immediately in order to avoid the plastic bags. And even if the employees where a bit perplexed I can proudly say I successfully left the supermarkets.
And the same almost hopeless battle had to be fighted on every fruit market as I couldn’t make understandable to the market sellers that it is in fact possible to put your oranges in your bagpack without a plastic bag.
Fortunately I finally found one oasis of relaxation in Chile, more precisely in the city Pucon where at the beginning of the year a little revolution had been taking place. The city of Pucon started a new initative and banished all the plastic bags from the supermarkets. This provoked a surge of indignation in the population but after a few weeks the people adapted. They started bringing their re-usable shopping bags and spontaneous shoppers can even buy re-usable bags in the supermarkets or ask the employees to pack the purchases in a cardboard box.

Re-and Upcyclingcorks
What I really like about both countries is the high significance that handicrafts still has and therefore you can buy the so called „Artesanías in a lot of places. For the production of this handwork domestic materials like wood,wool or bast are used and they look really nice.
And the creativity in working with domestic or used materials has no limits which I realized when I saw christmas trees made out of used plastic bottles, clocks made out of pans, cork tanks and much more. Especially the floral lamps made of PET bottles in a eco-restaurant (Green Organic) in Cusco inspired me.clock

 

 

 

greeingOrganic Food
(Peru): I can really recommend the just mentioned eco-restaurant arequipa2_jasmin_m(Greens Organic)
in Cusco as all the dishes there are cooked with self cultivated ingredients, the juices are fresh-pressed and next to a great and quiet atmosphere the food simply tastes awesome.
Furthermore you shouldn’t miss going to the huges markets as the diversity of colours there will leave you speechless.
Not all the food there is organic but it’s coming from the region and it tastes awesome. In comparison the fruits / vegetables in the supermarkets where quite disappointing. You can really taste the difference in quality. In one supermarket I even found organic bananas and aloe vera but no other organic products like in the industrial countries (Europe, US).

 

My summary:aloevera
Well, in my opinion Peru is one „green“ step ahead of Chile at the moment as Peru is making „sustainability“ a subject of discussion which is visible. But I have to say that I talked to many Chileans and I could see that they are willing to commit themselves to a change in thinking. Especially the young Chileans are more conscious about the problem and they actively try to work on small sustainable solutions for themselves (avoiding plastic and so on). I am really excited to see how the two countries will develop within the next years and which green steps they will go.

Which green experiences did you gain while travelling? Which countries do you consider really sustainable, which difficulties did you have to face in others and how did you solve them for yourselfes?

I am happy to read your comments, ideas and thoughts!

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